··· Prof. Dr. Hubert Jall

Studieren als Türklinke zur Welt

Prof. Jall hat sein Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie in Würzburg, Boulder (Colorado, USA) und Regensburg – hier von 1972 bis 1976 – durchgeführt. Das Diplom legte er 1976 in Regensburg ab, in Regensburg promovierte er auch 1986. Seit 1987 ist er Professor für Sozialpädagogik und Pädagogik an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Abt. Benediktbeuren.

Als ich zum Sommersemester 1972 an die Universität Regensburg kam, war ich kein akadamischer Anfänger mehr. Ich hatte das Studium der Sozialarbeit an einer Vorgängereinrichtung der jetzigen Fachhochschulen abgeschlossen und war als Sozialarbeiter bei einem Wohlfahrtsverband tätig. Gerade 23 Jahre alt und das Gefühl: "Das soll es nun gewesen sein?" stellte sich beängstigend ein.

Ein weiteres Studium bot sich an. In dieser Reformzeit brauchte man nur an die Türen zu denken und sie gingen fast von selber auf. Die Frage war nicht "ob", sondern "was" ich noch studieren sollte.

Regensburg bot neben guten Freunden eine Überschaubarkeit in der Pädagogik und Psychologie. Die inhaltliche Transparenz wie auch die Campusorganisation überzeugten. Das gemeinsame geduldige Abwägen in der Studienberatung der unterschiedlichen Kombinationen und deren Relevanz für eine eventuelle Praxis lies mich willkommen heissen. Die Arbeit in den Lehrveranstaltungen war verbunden mit einer Wertschätzung durch die Lehrenden, waren es Assistenten oder Professoren, die mich als "Neuzugang" nicht nur zur Kenntnis nahmen, sondern auch fragten, mit welchen Interessen ich nach Regensburg gekommen war.

Die einzelnen Teile miteinander in Beziehung zu bringen und daraus etwas Eigenes zu schaffen, war die Kernerfahrung.

Vordiplom und erste Lehramtsprüfung glitten harmonisch ineinander, Studienleistungen, erbracht im Bereich der früheren Pädagogischen Hochschule, in der Pädagogik und Psychologie, wuchsen zusammen zu einem eigenen Kompetenzprofil.

Die Möglichkeit als Austauschstudent ein Studienjahr an der University of Colorado, Boulder zu verbringen, eröffnete einen neuen Schritt, der mir bis heute wegweisend ist. Der Zugang, neu Erlerntes mit dem schon Erfahrenen zu verbinden, schuf eine ungeheuere Erweiterung der Zugänge nicht nur zur wissenschaftlichen, sondern auch zur persönlichen Identität. So bin ich, nun schon seit 25 Jahren immer noch in engem Kontakt zu Boulder. Es verstand sich wie von selbst, dass meine amerikanischen Studienleistungen in das Hauptstudium zum Diplom in Pädagogik einfliessen konnten.

Nach einigen Berufsjahren, zum großen Teil in Regensburg verbracht, promovierte ich 1986 in Pädagogik in Regensburg.

In meiner jetzigen Berufstätigkeit als Professor für Soziale Arbeit und Pädagogik ist die Erfahrung, Dinge, die zusammen gehören auch als solche zu betrachten, zur Leitlinie geworden. Wissenschaftliches Arbeiten wie auch das kompetente Umsetzen in eine beruflichen Praxis erfordert das Über-die-Grenzen-Sehen, Mut zu haben Neuland zu betreten, in Würdigung des Vorhergegangenen.

Der Campus in Regensburg bildet hierfür eine passende Metapher: Es läßt sich, unter einem Dach von Wissensbereich zu Wissensbereich wandern, die Grenzen sind erkennbar und doch verschwimmen sie auch an Orten wie den Caffeterien und Bibliotheken in denen der Lust nach Kommunikation nachgegeben werden kann. Man kann sich auch darin verlaufen, aber manchmal ist es notwendig Wege mehrmals zu gehen, oder Umwege zu tun, um festzustellen, dass ein Ziel immer auch der Beginn einer weiteren Wanderung ist.