··· Manfred K. Lindner

Ein Weg nach Europa – Vom Studieren zum Leben danach

Seit einigen Jahren bin ich ein "Ehemaliger" und möchte nun etwas vom "Leben danach" berichten.

Mein Physikstudium gestaltete sich recht angenehm, aber nach dem Diplom mußte auch ich meine berufliche Zukunft festlegen. Die Entscheidung brachte ein Arbeitsseminar "Forschungsmanagement" der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, wobei u.a. ein Patentanwalt seinen Beruf vorstellte. Das war’s!

Zunächst ging ich nach guter alter Sitte bei einem Patentanwalt in die Lehre, um mich mit Patenten, Gebrauchsmustern, Marken, Geschmacksmustern, aber auch BGB, ZPO u. dgl. zu befassen. Eine wesentliche Schwierigkeit des Berufs besteht darin, mit naturwissenschaftlich-technischem Sachverstand die juristische Denkweise zu begreifen. Die Ausbildung durch "Learning-by-Doing" war angenehm, brachte allerdings auch einige Frustrationen mit sich, die aber gut auf den freien Beruf vorbereiteten.

Aus dem Kanzleileben wurde ich dann durch ein gesetzlich vorgeschriebenes Jahr am Deutschen Patentamt, am Bundespatentgericht und am Landgericht München herausgerissen. In dieser Zeit kann man sich so richtig in Rechtsfragen vertiefen, was für das Abschlußexamen über Rechtskenntnisse wichtig ist. Der damit erworbene Titel Patentassessor öffnet den formalen Weg zur Patentanwaltschaft.

Und so kommt ein Physiker dazu, daß er in blaubesetzter Anwaltsrobe an Gerichten bis hin zum BGH agieren darf. Die tägliche Arbeit mit gewerblichen Schutzrechten ist freilich etwas weniger spektakulär: Beratungen, Neuanmeldungen, Amtsbescheide, Verträge usw., und viele Fristen.

Und wo bleibt nun Europa?

Gewerbliche Schutzrechte waren international schon immer von Bedeutung, was z.B. durch das Europäische Patentübereinkommen weiter zunimmt. Um sich als Patentanwalt auf europäischem Parkett tummeln zu können, ist dabei noch die Prüfung zum European Patent Attorney zu bestehen.

Im europäischen Miteinander betrifft das EPÜ zwar nur einen kleinen Bereich, jedoch wird daran deutlich, wie kompliziert und empfindlich das Gefüge Europa noch ist. Der Einblick in die Entstehung und Entwicklung dieses Spezialgebiets verdeutlicht, welche Schwierigkeiten für eine europaweite Vereinheitlichung zu überwinden sind. Gesetze können nur Normen schaffen, wirklich gut funktioniert jede Gemeinschaft aber erst mit Verständnis und Vertrauen. Dies bestätigt somit den (physikalischen) Grundsatz, daß nur dann etwas effektiv bewegt werden kann, wenn alle in die gleiche Richtung wirken.

European Patent Attorney und Patentanwalt Manfred K. Lindner München