··· Horst Hauf

Studium auf Umwegen

Herr Horst Hauf konnte erst nach seiner Pensionierung vom Dienst in der Bundeswehr studieren. Er begann sein Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaften im Jahre 1991 und legte das Magisterexamen im Jahr 1998/1999 ab.

Als Stabsoffizier im Verteidigungsministerium wurde ich immer wieder mit Problemen aus allen Bereichen des politischen Alltags konfrontiert, die aus diesem Raum in die Bundeswehr hineingetragen wurden und für die Lösungen aus militärischer Sicht gesucht und gefunden werden mußten. Das galt für rein politische Fragen wie auch für ethische und religiöse Probleme.

Dadurch entwickelte sich in mir allmählich immer stärker das Bedürfnis, durch ein wissenschaftliches Studium Antworten, diesmal aus politischer und ziviler Sicht, zu finden. Außerdem wollte ich den seit langer Zeit gehegten Wunsche verwirklichen, mich nach Beendigung meines Berufslebens den großen Themen der europäischen Geistesgeschichte zuzuwenden, die während meiner beruflichen Arbeit naturgemäß zu kurz gekommen waren.

So stand der Entschluß, ein geeignetes Studium zu ergreifen, schon vor meiner Pensionierung fest. Nach der Zur-Ruhesetzung schloß sich deshalb – in meine Vaterstadt zurückgekehrt – 1991 nahtlos das Studium an der Universität Regensburg an, das ich dann auch mit dem Magisterexamen abschloß.

Die Fächer Politikwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaften schienen für meine Bedürfnisse – wie sich später auch immer wieder bestätigte – die geeignetsten.

Das Einleben in den für mich ungewohnten Studienbetrieb fiel mir überraschenderweise nicht schwer. Die freundliche, hilfsbereite und verständnisvolle Art, mit der mir alle akademischen Lehrer und auch viele Kommilitoninnen und Kommilitonen begegneten und mich ermunterten, erleichterte mir die Umgewöhnung. Genannt seien hier nur: die Hilfen bei den ersten Schritten, sich in der Bibliothek zurechtzufinden; die Ermunterung zur ersten Klausur, der ich mich zunächst gar nicht unterziehen wollte; der Erfahrungsaustausch bei der Vorbereitung zum ersten Seminar; die Bereitschaft vieler Professoren, mir bei allen wichtigen Schritten des Studiums mit Rat zur Seite zu stehen.

Neben der reinen Wissensaufnahme, die mich mit zum Teil kaum vertrauten Themenbereichen in Berührung brachte, mir tiefere Einblicke in interessante Zusammenhänge gewährte, war also auch die Art der Zusammenarbeit mit Lehrern und Studierenden eine Bereicherung meiner bisherigen Lebenserfahrung.

Das während des Studiums angeeignete Fachwissen gab mir eine Fülle von Anregungen, deren Verarbeitung meinen "Ruhe"-Stand in ungeahntem Maße ausfüllen. Die Weitergabe dieses Wissens, z.B. über Vorträge, gepaart mit meiner Berufserfahrung, die ich vielfach nutzbringend verwenden kann, ist ein weiterer positiver Effekt des Studiums, nach Beendigung meiner Dienstzeit. Dies betrifft sowohl die Förderung der Urteilsfähigkeit der Politiker im Bereich des militärischen Handelns, als auch die Vertiefung des Verständnisses für militärische Notwendigkeiten, die in die Gesellschaft hineinwirken und von ihr auch verstanden werden sollen. Die Zusammenarbeit mit den Studenten und Studentinnen hatte zudem die Bereitschaft geweckt, an den Problemen, die die Sichertheits- und Verteidigungspolitik den Geisteswissenschaften stellt, teilzuhaben.

Ausweitung und Vertiefung meines Wissensstandes und die Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich waren es also, die ich als unschätzbaren Gewinn in den vor mir liegenden Lebensabschnitt mitnehmen kann.

Dafür danke ich der Universität Regensburg.