··· Dr. Christine Schneider

Kein geradliniger Lebenslauf?

Berufliche Daten von Frau Dr. Christine Schneider: Abitur 1971, Studium Lehramt für Gymnasien (Deutsch, Französisch) 1971 – 1975, Promotion in Linguistischer Informationswissenschaft 1983.

Der Verein der Ehemaligen Studierenden der Universität Regensburg e.V. hat es sich zum Ziel gesetzt, Studierende während ihrer Zeit an der Uni zu helfen und zu unterstützen. Dazu mag es auch gehören, wenn diejenigen, die am Anfang ihrer akademischen Karriere stehen, erfahren können, zu welchen Zielen ein Weg, den man an der Uni begonnen hat, führen kann.

… und so erlauben Sie mir, zu berichten, was sich hinter den Fakten: Abitur 1971, Studium Lehramt für Gymnasien (Deutsch, Französisch) 1971 – 1975, Promotion in Linguistischer Informationswissenschaft 1983 verbirgt.

Mein Studium habe ich 1971 nicht in meinem Traumfach Pharmazie begonnen, denn dies wurde damals nicht in Regensburg angeboten. Daher folgte ich dem Ratschlag meiner Eltern und studierte "Lehrerin". Bereits in den beiden ersten Semestern waren mir die formalen Ansätze der Sprachwissenschaft wesentlich sympathischer als all die literaturwissenschaftlichen Betrachtungen, die ich als ehe nebulös empfand. Da ich die notwendigen Scheine für die Zwischenprüfung mit etwas Glück recht schnell beisammen hatte, hatte ich Freiraum zur Verfügung und aus purer Neugier belegte ich Programmierkurse. Aus heutiger Sicht war mein Schicksal damit besiegelt: mit meinen neu erworbenen Programmierkenntnissen bot sich die Möglichkeit an der Entwicklung eines Programmpaketes für den Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften mitzuarbeiten. Mit diesen Programmen wurden zu zahlreichen Texten – angefangen von der Ilias und Odyssee, über Schulbücher, Romane und Gedichte bis hin zu Gesetzestexten – Wörterbücher erzeugt, die dann wiederum die Basis für verschiedenste sprach- und literaturwissenschaftliche Studien waren. Als studentische Hilfskraft war ich bei vielen Projekten mit am Werk. Im Fachbereich etablierte sich währenddessen der Studiengang "Linguistische Informationswissenschaft" und auch hier war ich als Studentin mit dabei. Bis nach dem Staatsexamen konnte ich mich nicht zwischen den beiden Richtungen entscheiden und habe eben beides studiert. Danach sagte ich der Laufbahn als Lehrerin endgültig Ade, promovierte in (Linguistischer) Informationswissenschaft und arbeitete in einigen Projekten am Lehrstuhl mit. Die Arbeit am Lehrstuhl hatte ich zunächst versuchsweise begonnen, denn – mittlerweile verheiratet – habe ich den Aspekt der Zukunftssicherung nicht so ganz ernst genommen. Diese Konstellation hat im Lauf der Zeit dann zwar zu drei Kindern geführt, aber auch zu der Einsicht, daß der Beruf zwingend zu meinem Leben gehört. Glücklicherweise habe ich Vorgesetzte gefunden, die mir Teilzeitbeschäftigung ermöglichten und so konnte ich wieder – wie schon im Studium – das eine tun und brauchte das andere nicht zu lassen.

Heute bin ich am Klinikum der Universität Regensburg für die EDV-Schulung der Klinikmitarbeiter zuständig. Der Schwerpunkt ist dabei der Auf- und Ausbau eines flächendeckenden Klinikinformationssystems. Hier mitzuarbeiten begeistert mich auch noch, nachdem ich mittlerweile schon fünf Jahre dabei bin. Wahrscheinlich auch deshalb, weil das Tätigkeitsfeld wieder auf dem Schnittgebiet zwischen EDV und Umgang mit Menschen liegt, eine Mischung, die ich mir ja auch schon während der Studienzeit gesucht hatte. Damals hatten es mir die Freiheiten, die die geisteswissenschaftliche Studienordnung bietet, ermöglicht, meine Kombination an Fachgebieten zu finden.

Prognosen für künftige Tätigkeitsfelder fordern häufig Mehrfachqualifikationen. An vielen Orten werden als Reaktion darauf neue Studiengänge eingerichtet. Vielleicht kann mein Beispiel aber auch zeigen, daß – wenn man seinen Neigungen ernsthaft nachgeht – sich Nischen auftun, die ganz persönlichen Tätigkeitsfeldern entsprechen, die dann auch befriedigende und erfolgreiche berufliche Arbeit ermöglichen.

Den heutigen Studierenden wünsche ich den nötigen Optimismus und das nötige Glück um ihren Weg zu finden.

So hat z.B. ein junger Mann vor einigen Jahren beim Schüleraustausch mit Japan seine jetzige japanische Freundin kennengelernt. Heute studiert er Jura und spezialisiert sich im Hinblick auf Japan ….