··· Dr. Bernhard Laggerbauer

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Dr. Bernhard Laggerbauer studierte von 1988 bis 1993 an der Universität Regensburg Biologie, wovon er 1 Jahr an der University of Colorado in Boulder verbrachte. Nach dem Diplomabschluß in Regensburg wechselte er 1993 zur Promotion nach Marburg, die er 1997 abschloß. Es folgte eine kurze Zeit in einem Biotechnologie-Unternehmen in München; z.Zt. ist er am MPI für Biochemie in Martinsried tätig.

"Wissensmanagement", "Mobilität", "Lernen ein Leben lang" sind nur einige der Schlagwörter, die unser Bildungssystem beherrschen und viele StudienanfängerInnen, gerade angesichts hoher Arbeitslosigkeit, an der eigenen Zukunft zweifeln lassen. Daß man deshalb nicht aufgeben sollte und das Studium oft zu ganz unerwarteten Erfolgen führen kann, will der Verein Ehemaliger Studierender der Universität Regensburg an Beispielen aufzeigen. Hierzu möchte ich mit der Schilderung meines persönlichen Werdegangs beitragen.

Als ich mich 1988 zum Studiengang des Lehramts für Gymnasien, Biologie/Chemie, an der Universität Regensburg immatrikulierte, war das ein glücklicher Kompromiß. Denn mein ursprüngliches Ziel, Biologie mit Abschluß Diplom zu studieren, scheiterte am Numerus clausus der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze. Mit dem Lehramtsstudium konnte ich mich also trotzdem dem Fach Biologie widmen.

Nach dem ersten Semester wurde mir unerwarteterweise der Quereinstieg zu "Biologie Diplom" bewilligt, und damit die Möglichkeit geschaffen, mein Interesse an der Forschung zu verwirklichen. Ich nahm die gebotene Chance wahr, wenngleich die Arbeitsmarkt-Prognosen auch hier miserabel waren. Ängste um die Zukunft haben sicherlich dazu beigetragen, daß ich damals totgesagten Teildisziplinen wie Zoologie oder Botanik den Rücken kehrte und mich der Mikrobiologie zuwandte.

Bei Prof. Stetter hatte ich als studentische Hilfskraft zum ersten Mal eigenständiges, wissenschaftliches Arbeiten kennengelernt. Durch diese Zeit wurde in mir der Entschluß gefestigt, weiterhin wissenschaftlich arbeiten zu wollen. Dennoch fand ich mich kurze Zeit später – obwohl die Vordiplom-Prüfungen besser als erwartet liefen – in einer Sinnkrise. Wie sollte es nun weitergehen? Bin ich den Anforderungen des Diploms gewachsen? Glücklicherweise wurde ich aus diesen quälenden Problemen gerissen, als mir ein Aushang des Akademischen Auslandsamts der Universität Regensburg auffiel. Ein "Informationsabend zum akademischen Austauschprogramm USA/ England" war dort angekündigt. Beim Besuch dieser Veranstaltung war ich fasziniert vom Erfahrungsbericht derer, die bereits am Austauschprogramm teilgenommen hatten. Die Bewerbungsunterlagen waren rasch ausgefüllt, und so fand ich mich mit dankenswerter Unterstützung des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes wenige Monate später an University of Colorado in Boulder wieder.

In Boulder hatte ich das große Glück, im Labor von Prof. Thomas Cech arbeiten zu dürfen. Cech hatte kurz zuvor den Nobelpreis für seine Entdeckung von enzymatischen Eigenschaften in RNA erhalten, einem Molekül, das bisher nur als Träger und Übermittler von genetischer Information bekannt war. Nach einem unvergeßlich schönen Jahr in Cechs Gruppe kam ich mit der Veröffentlichung meiner Ergebnisse und bleibenden Freundschaften mit den Kollegen zurück nach Regensburg. Dort konnte ich meine Arbeiten in einer Diplomarbeit zusammenfassen.

Der Entschluß, die Forschung über RNA mit einer Doktorarbeit fortzusetzen machte 1993 den Wechsel zur Arbeitsgruppe von Prof. Lührmann nach Marburg/Lahn erforderlich. Hier hat mir der Verein Ehemaliger Studierender der Universität Regensburg in Form eines Förderpreises (Studienabschlußpreis) großzügige Unterstützung zuteil werden lassen.

Nach der Promotion im Sommer 1997 wechselte ich zu einem Start-Up Unternehmen der Biotechnologie in München und war dort als Leiter der Abteilung Molekularbiologie angestellt. Ich muß zugeben, daß ich den Übergang von der Akademie zur Industrie und die damit verbundenen Veränderungen etwas unterschätzt hatte. Das eigene wissenschaftliche Arbeiten muß dort eben häufig dem Zeitbedarf für Organisation und Anleitung von Mitarbeitern weichen. Da mich aber gerade die Wissenschaft reizt, wechselte ich vor kurzem an das Max-Plnck-Institut für Biochemie, um die molekularen Grundlagen des "fragilen X-Syndroms", einer häufigen Erbkrankheit des Menschen zu untersuchen. Die Arbeit in der Gruppe von PD Fischer ist auf mehrere Jahre angelegt und mit hervorragenden Möglichkeiten ausgestattet, so daß ich mich dort sehr gut verwirklichen kann.

Meine wohl nicht alltägliche Laufbahn als Biologe ist ein gutes Beispiel, daß man wegen schlechter Prognosen nicht den Kopf in den Sand stecken sollte. Auf ihrem eigenen Weg wünsche ich allen Studierenden den nötigen Mut, viel Erfolg und das nötige Quentchen Glück.